BudapestStreet PhotographyMann joggt auf Straße

Ich als Fotograf stehe direkt hinter dem Gleis der Oberleitungsbusse und habe das gesamte Geschehen im Blick. Auf meiner Seite findet gerade eine Laufveranstaltung statt, auf der anderen Straßenseite fahren Autos und Motorräder. Genau in meinem Fokus befindet sich ein Teilnehmer dieser Laufveranstaltung – sein Blick aufs Handy gerichtet. Aber was macht er da? Checkt er dort gerade etwa seine Mails während des Marathons? Oder schreibt er gerade seiner neuen Freundin? Sein Lächeln deutet auf jeden Fall auf etwas Schönes hin. Es ist einer dieser Eindrücke, durch den die Stadt selbst immer lebendig wirkt und sich sekündlich wandelt.

Auch für die Organisation zeigt sich, wie viel Aufwand sich in einer derartigen Zone ergibt. Ampeln, Zäune, Gleise, Hütchen und viele weiteren Umsetzungen sind Teil dieses Gebiets und sorgen für eine gewisse Ordnung. Doch die gewünschte Ordnung ist weit weg vom gewohnten Bild, wie wir es aus Deutschland gewohnt sind. Es ist wie ein geplantes Chaos, in dem doch jeder für sich den Überblick behält. Es ist dieses übersichtliche Durcheinander, das uns Touristen von Zeit zu Zeit ein wenig überfordert, für die Bewohner der Stadt jedoch nichts Neues ist.

Es handelt sich hier um eine Stelle, die zur selben Zeit den Sport, die Menschen und den Verkehr miteinander verbindet. Abgetrennt durch einen kleinen Zaun, der nur als symbolische Grenze fungiert. Jeder wirkt wie immer in sich selbst gekehrt und bemerkt kaum, welchen Anteil er in den vorhandenen Strukturen wirklich spielt. Mehr als die Hälfte des Bildes prägen dann die Wolken und der Himmel über Budapest, der durch den direkten Kontrast beinahe schon mit der Straße vergleichbar wird. Großstadt gegen Natur, Freiheit gegen den bloßen Alltag.